Che Guevara – Der Tod eines Revolutionärs

„Sie werden sehen, wie ein Mann stirbt“,

chehigh
Ernesto Rafael Guevara de la Serna

sagte das Opfer zu seinem Mörder. Es waren die letzten Worte des lateinamerikanischen Revolutionärs Ernesto „Che“ Guevara. Am 9. Oktober 1967 ordnete die Regierung Boliviens die Erschießung des Tags zuvor gefangenen Guerillaführers an. Um 13:10 Uhr wurde Guevara ohne vorherige Gerichtsverhandlung hingerichtet.

Als die Soldaten seinen Leichnam nach der Exekution öffentlich zur Schau stellten und anschließend heimlich neben einer Flugzeugpiste verscharrten, sollte damit dem Mythos vom strahlenden Freiheitshelden „Che“ für immer der Garaus gemacht werden. Doch das genaue Gegenteil trat ein: Die Bilder des toten Guevara – mit ihrer frappierenden Ähnlichkeit zu Darstellungen des toten Christus wurden in Zeitungsberichten als Abbild eines modernen Heiligen interpretiert. Schnell wurde Che Guevara international zu einem Vorbild der 1968er Bewegung und zu einer der größten Pop-Ikonen der Geschichte.

Che Guevara als Pop-Ikone
Che Guevara als Pop-Ikone

Guevaras Mythos hat die Jahrzehnte überdauert und heute scheint er gar kraftvoller denn je zu sein. Im Zuge der Renaissance des Sozialismus in Lateinamerika hat die Heldenverehrung des „Commandante Che“ dort ein bisher unerreichtes Ausmaß angenommen. Die Bewegung der Globalisierungskritiker hat Guevara zum solidarischen, selbstlosen Patron der Schwachen und Benachteiligten aller Kontinente erkoren. Doch „Che“ ist auch längst zur Kultfigur der Werbe-Pop- und Modeindustrie geworden, zu einem universalen Zeichen für eine unbestimmte Sehnsucht nach einem aufrichtigen und unentfremdeten Leben.

Bei keiner anderen großen Figur der Weltgeschichte hat sich die Verklärung seiner Ideen und Taten dabei so weit von der Wirklichkeit entfernt. Zu der romantischen Legende vom uneigennützigen Humanisten, der nichts für sich selbst wollte und aus Liebe zur Menschheit alles Materielle opferte, am Ende auch sein Leben hat wohl die ungewöhnlichste Wendung in seiner Biografie beigetragen: der anscheinend freiwillige Machtverzicht. Nach dem gewaltsamen Sturz der Diktatur Batistas im Januar 1959 war der gebürtige Argentinier neben dem „maximo lider“ Fidel Castro der führende Kopf des neuen Regimes in Kuba. Doch an einer leitenden Position im neuen Staat schien im nichts zu liegen, noch weniger an persönlicher Macht und den Privilegien, die mit ihr verbunden sind. Schon nach einigen Jahren gab Guevara alle Ämter auf, verließ 1965 Kuba und kehrte zu den Wurzeln seiner revolutionären Karriere zurück. Es zog ihn an die vermeintlichen Brennpunkte der Weltrevolution – erst in den Kongo, dann nach Bolivien.

Empfehlenswerte Literatur zu dem Thema:*
Jon Lee Anderson: Che. Die Biographie


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