Der ungarische Volksaufstand

1956 demonstrierten ungarische Studenten in Budapest für eine Demokratisierung ihres Landes. Die Proteste weiteten sich aus und lösten schließlich einen Volksaufstand aus.

Volksaufstand in Ungarn.
Volksaufstand in Ungarn.

Am Ende des Zweiten Weltkriegs wurde Ungarn durch die Rote Armee besetzt. Durch den Friedensvertrag mit der Sowjetunion im Jahr 1948 kam das Land in eine militärische, wirtschaftliche, politische und kulturelle Abhängigkeit Moskaus. Ein sozialistisches Regime unter der Führung der „Vereinigten ungarischen Arbeiterpartei“ wurde installiert. Bald traten innerhalb der Einheitspartei Spannungen zwischen den Stalinisten und den Reformkommunisten auf.

Eine Zäsur stellte der Tod des sowjetischen Diktators Josef Stalin im März 1953 dar. Sein Nachfolger Nikita Chruschtschow rechnete in einer Rede mit ihm ab. Das folgende „Tauwetter“ war eine wichtige Voraussetzung für den ungarischen Aufstand. Die Hoffnungen der ungarischen Bevölkerung auf einen Liberalisierungsschub erfüllten sich jedoch nicht.

Am 23. Oktober 1956 demonstrierten Studenten in Budapest. Die Protestierenden forderten Pressefreiheit, freie Wahlen und eine Freilassung der politischen Häftlinge. Weitere Ziele waren eine umfassende Demokratisierung, den Abzug der sowjetischen Besatzungstruppen sowie die Wiedereinsetzung von Imre Nágy als Ministerpräsident (dieser war zuvor durch die Stalinisten gestürzt worden).

Demonstration am 23. Oktober 1956.
Demonstration am 23. Oktober 1956.

Die Situation eskalierte und die ungarische Sicherheitspolizei eröffnete das Feuer auf die Demonstranten. Einige Armeeeinheiten schlossen sich jedoch den Aufständischen an und besetzten wichtige Gebäude der Stadt. Außerdem war es den Protestierenden nun möglich sich zu bewaffnen und Gegenwehr zu leisten. Schwere Straßenkämpfe waren die Folge. Die Demonstration weitete sich zu einem Volksaufstand aus. Am nächsten Tag, dem 24. Oktober, wurde das Standrecht verhängt und die Rote Armee zur Hilfe gerufen. Die Bürger antworteten mit der Ausrufung eines Generalstreiks, woraufhin die stalinistische Elite in Panik außer Landes floh. Imre Nágy wurde wieder Ministerpräsident. Die sowjetische Führung in Moskau zeigte zum Schein Verhandlungsbereitschaft und zog ihre Panzer am 29. Oktober aus der Stadt ab. Mit Billigung des neuen Kreml-Chefs Nikita Chruschtschow wurde der Anti-Stalinist János Kádár neuer Parteichef der KPU. Gleichzeitig sammelte Moskau jedoch an der sowjetisch-ungarischen Grenze Interventionstruppen, wartete jedoch noch die Reaktion des Westens ab. Im Verlauf der nächsten Tage breitete sich der Aufstand wie ein Lauffeuer über ganz Ungarn aus. Vor allem die Ballungsräume wurden zu Zentren des Widerstands. Am 30. Oktober verkündete Nágy die Wiederherstellung des Mehrparteiensystems und die Bildung einer Koalitionsregierung. Des Weiteren wurde einen Tag später den Austritt Ungarns aus dem Warschauer Pakt sowie die Neutralität Ungarns nach österreichischem Vorbild bekanntgegeben.  Für die Sowjetunion hätte dies natürlich einen immensen Prestigeverlust bedeutet und so beschloss der Kreml militärisch zu intervenieren.

Am 4. November 1956 kam es zum Angriff sowjetischer Panzer auf Budapest. Auf Druck des KGB (der sowjetischen Staatspolizei) hatte Kádár bereits mit Nágy gebrochen und Verbindung mit Moskau aufgenommen, um eine moskautreue Gegenregierung zu bilden. Nágy flüchtete mit anderen Reformkommunisten in die jugoslawische Botschaft. Die Bevölkerung und Teile der Armee leisteten jedoch erbitterten Widerstand. Die erhoffte Intervention der Westmächte blieb aus und die Sowjets gewannen langsam die Oberhand. Nachdem die Luftwaffe die Budapester Kasernen bombadiert hat, brach der militärische Widerstand zusammen. Bis zum 7. November wurde der Aufstand in ganz Ungarn blutig niedergeschlagen.

Ein sowjetischer Panzer in Budapest.
Ein sowjetischer Panzer in Budapest.

Die Kämpfe forderten auf beiden Seiten viele Todesopfer: 7.000 Sowjetsoldaten und 25.000 Ungarn verloren bei der Revolte ihr Leben. Über 200.000 Ungarn flüchteten, hauptsächlich über Österreich. 2 000 Personen wurden zum Tode verurteilt (nicht alle wurden hingerichtet), mehr als 20 000 Menschen mussten langjährige Haftstrafen abbüßen. Imre Nágy wurde zwar Straffreiheit zugesichert, jedoch später, nach einem Geheimprozess, im Jahr 1958 hingerichtet.

Empfehlenswerte Literatur zu dem Thema (affiliate link):
Luciano Canfora: Zeitenwende 1956

 


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