Die Kubakrise

Am 22. Oktober 1962 lauschten 100 Millionen Amerikaner gebannt der Fernsehansprache ihres Präsidenten John F. Kennedy. Was er verkündete, schockierte die westliche Welt: Die Sowjetunion hatte auf Kuba Atomraketen stationiert, nur knapp 200 Kilometer vor der Küste Floridas. Dies sollte die Welt an den Rand eines Atomkriegs bringen.

Fernsehansprache John F. Kennedys
Fernsehansprache John F. Kennedys am 22. Oktober 1962.

Die Vorgeschichte

Die Krise zeichnete sich bereits einige Jahre früher ab. Als im Jahr 1959 der kubanische Diktator Fulgencio Batista y Zaldivar gestürzt wurde, gehörte die bisherige US-freundliche Politik bald der Vergangenheit an. Die neuen Machthaber in Havanna wandten sich in der Folgezeit schnell von Washington ab und Moskau zu. Spätestens seit dem Beschluss einer Wirtschafts- und Bodenreform sozialistischem Musters, von der auch amerikanische Unternehmen betroffen waren, war das Verhältnis zu den USA endgültig ruiniert. Nach anfänglichen Sympathien für die „Freiheitskämpfer“ wollten die Vereinigten Staaten die neue Regierung auf Kuba ab diesem Zeitpunkt unbedingt stürzen. Um dieses Ziel zu erreichen finanzierten die Vereinigten Staaten eine Invasion von Exil-Kubanern in der Schweinebucht im Jahr 1961. Die Operation scheiterte aber schon nach drei Tagen.

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Exil-Kubaner gehen nach der missglückten Invasion in Gefangenschaft.

Für Kuba und den Ostblock stellte diese Niederlage einen der größten militärischen Erfolge gegenüber den USA dar, auch wenn das Land nicht direkt an den Kampfhandlungen beteiligt war. Für die Vereinigten Staaten war das Scheitern der Operation ein gewaltiger Rückschlag in ihrem Bemühen, keinen sowjetischen Stützpunkt vor „der eigenen Haustür“ entstehen zu lassen. Da sie einen solchen laut ihrem Präsidenten John F. Kennedy niemals dulden würden, bedeutete das Fiasko in der Schweinebucht keineswegs eine Aufgabe der Pläne zur „Befreiung“ Kubas. Noch 1961 wurde mit der Ausarbeitung eines neuen Plans zum Sturz der Kommunisten mit dem Codewort Mongoose begonnen. Neben militärischen Mitteln sollte der Inselstaat aber auch durch wirtschaftliche Sanktionen und durch eine außenpolitische Isolation destabilisiert werden. Die Vereinigten Staaten erwirkten deswegen im Januar 1962 einen Ausschluss Kubas aus der Organisation amerikanischer Staaten (OAS) und einen Monat später folgte ein totales Handelsembargo.

Die Kubakrise zeichnet sich ab

Die Bedrohung durch die USA wurde für das kubanische Regime immer greifbarer. Fidel Castro befürchtete eine unmittelbar bevorstehende Invasion. Aus diesem Grund wandte er sich bei einer Moskau-Reise an die Sowjetunion. Nikita Chruschtschow bot den Kubanern Atom-Mittelstreckenraketen an, um sich vor den Vereinigten Staaten zu schützen. Castro nahm das Angebot an und machte somit den Weg zu einer bedrohlichen Zuspitzung des Kalten Kriegs frei.

Die Reichweite der sowjetischen Raketen
Die Reichweite der sowjetischen Raketen.

Kurz nach dem Besuch Fidel Castros begannen die Transporte der Raketen nach Kuba. Zunächst lief die Operation auch wie geplant, geheim, ab. Die sowjetischen Schiffe, die kubanische Häfen im Laufe der Operation nun öfters anliefen, gerieten aber mehr und mehr in den Fokus amerikanischer Aufklärungstätigkeit. Am 14. Oktober 1962 aber schoss ein amerikanischer U2-Aufklärungsjet eindeutige Bilder, die den Aufbau von sowjetischen atomaren Mittelstreckenraketen belegten. Am 15. Oktober war die Auswertung des Materials abgeschlossen.

Die Welt taumelt an den Rand eines Atomkrieges

Die USA reagierten mit einer nach 1945 beispiellosen Mobilmachung. Alle Teilstreitkräfte wurden in Alarmbereitschaft versetzt. In seiner Rede vom 22. Oktober 1962 verkündete der US-Präsident Kennedy außerdem eine Seeblockade Kubas. Kein sowjetisches Schiff dürfe mehr die Blockade passieren. Gleichzeitig forderte er den Abzug aller sowjetischen Atomrakten aus Kuba. Im Falle eines sowjetischen Angriffs drohte Kennedy damit, Moskau durch einen atomaren Gegenschlag zu vernichten. 100 Millionen Amerikaner verfolgten die Ansprache live im TV.

Die Vereinigten Staaten in Kriegsangst
Die Vereinigten Staaten in Kriegsangst.

Nikita Chruschtschow zeigte sich davon aber unbeeindruckt und stoppte deswegen die restlichen Schiffe, die noch auf dem Weg nach Kuba waren, nicht. Gleichzeitig versicherte er, dass die stationierten Raketen nur der Verteidigung dienen würden. Die Blockade, welche offiziell Quarantäne genannt wurde, trat am Tag darauf in Kraft. In der Folge kam es zu teils dramatischen Zuspitzungen in den Gewässern vor Kuba, wenngleich die amerikanischen Schiffe nicht ohne den Befehl des Präsidenten schießen durften. Dies wurde angeordnet, um eine Eskalation zu vermeiden, sollten die sowjetischen Schiffe versuchen, den Sperrgürtel (mit Radius von 500 Meilen) zu durchbrechen. Doch alle sowjetischen Schiffe drehten ab, nachdem der Radius der Blockade verkleinert wurde. Trotzdem war bei der sowjetischen Regierung keine Bereitschaft zum Einlenken zu erkennen. Am 26. Oktober ging die Stationierung der Raketen auf Kuba trotz der Blockade weiter. Das Umfeld des Präsidenten diskutierte deswegen über eine Invasion des Inselstaats.

Amerikanische Zerstörer, die die Seeblockade vor Kuba durchsetzen.
Die Situation auf See spitzte sich zu.

Der Konflikt wird entschärft

Am selben Tag erreichte ein Schreiben von Chruschtschow Kennedy, in dem dieser anbietet, die Raketen von Kuba abzuziehen, falls eine Invasion von Kuba durch die Amerikaner ausgeschlossen werde. Kennedy sicherte das zu. Am nächsten Tag traf ein neuerlicher Brief des obersten Sowjets bei Kennedy ein. In diesem wurde der Raketenabzug nun sowohl an ein Nichtangriffsversprechen der USA als auch an den Abzug der amerikanischen Jupiter-Raketen aus der Türkei, welche die UdSSR bedrohten, gebunden. Am Abend fand ein Geheimtreffen zwischen Robert F. Kennedy und dem Sowjetbotschafter Dobrynin statt. John F. Kennedy lies seinen Bruder erklären, dass er den Bedingungen zustimmen würde. Dobrynin gab diese Nachricht sofort nach Moskau weiter.

In der folgenden Zeit zog die Sowjetunion ihre Raketen aus Kuba ab. Die Vereinigten Staaten erklärten keine weitere militärische Invasion Kubas zu unternehmen und die amerikanischen Jupiter-Raketen aus der Türkei abzuziehen. Der Abzug aus der Türkei fand etwas später und unter Ausschluss der Öffentlichkeit statt, um die NATO-Partner der USA nicht zu brüskieren und die Vereinigten Staaten als Sieger der Krise darstellen zu können.

Empfehlenswerte Literatur zu dem Thema:*
Bernd Greiner: Die Kuba-Krise. Die Welt an der Schwelle zum Atomkrieg


2 Gedanken zu “Die Kubakrise

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