Nikita Sergejewitsch Chruschtschow

Als Partei- und Staatschef der Sowjetunion gestaltete er in der Hochphase des Kalten Krieges die Politik seines Landes. In der Nachfolge Josef Stalins verlieh er der KPDSU und der UdSSR neue Impulse und verkündete die Entstalinisierung. Viele politische Gefangene wurden freigelassen und ganze Bevölkerungsgruppen wurden durch ihn rehabilitiert. Gleichzeitig ließ er den Volksaufstand in Ungarn brutal niederschlagen und brachte die Welt während der Kubakrise an den Rand eines Atomkrieges. Wer war dieser widersprüchliche Politiker,  der stets seine Auftritte mit einer unverwechselbaren persönlichen Note verlieh, wirklich?

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Chruschtschow mit Fidel Castro.

Kindheit und Jugend

Nikita Sergejewitsch Chruschtschow wurde am 17. April 1894 in Kalinowka (Ukraine) geboren. Aus einfacher Herkunft stammend, deutete nichts auf seine spätere Karriere in der Politik hin. Zunächst absolvierte er eine Lehre zum Maschinenschlosser und arbeitete dann später in Bergwerksbetrieben des Donezgebietes. In dieser Zeit schloss sich Chruschtschow der Gewerkschaft der Bergleute an und wurde zum ersten Mal politisch aktiv. Das Jahr 1918 markiert einen Wendepunkt in seiner Biografie. Nikita Chruschtschow gab seinen Beruf als Maschinenschlosser auf und trat in die Kommunistische Partei und die Rote Armee ein. Als Freiwilliger nahm er am russischen Bürgerkrieg teil.

Der Aufstieg

Nach dem Sieg der Kommunisten besuchte Chruschtschow zwischen 1922 und 1925 die Arbeiterfakultät in Charkow, an der er auch aktiv politisch tätig wurde. Nach dem Verlassen der Bildungseinrichtung ernannte man ihn im selben Jahr zum Parteisekretär des Bezirks Petrowo-Marinsk in der Ukrainischen SSR. 1925 wurde Chruschtschow außerdem zum XIV. Parteitag der KPdSU eingeladen, wo er das erste Mal Josef Stalin begegnete. Nikita Chruschtschow wurde daraufhin schnell zu einem glühenden Anhänger des Diktators, weswegen er in den nächsten Jahren schnell aufstieg. Zwischen 1929 und 1932 wurde ihm die besondere Ehre eines Studiums an der Parteihochschule in Moskau, zu der pro Jahr nur wenige hundert Parteifunktionäre auf Empfehlung zugelassen wurden, zuteil. 1934 wurde er auf dem XVII. Parteitag ins Zentralkomitee der KPdSU gewählt. Ab 1935 war er für die Neubauten in Moskau verantwortlich, darunter auch der Bau der Moskauer Metro, wofür er seinen ersten Leninorden erhielt.

Chruschtschow mit Stalin.
Chruschtschow mit Stalin.

Mitglied im Politbüro

Im Jahr 1938 wurde Chruschtschow zum „Kandidaten des Politbüros der KPdSU“ ernannt. Damit wurde er Teil des mächtigsten politischen Gremiums der Sowjetunion. Als Kandidat war er aber nicht stimmberechtigt. Im selben Jahr wurde Nikita Chruschtschow Parteichef der Ukraine und festigte damit seine Machtposition. Die stalinistischen Säuberungen in dieser Zeit überstand er unbeschadet. Wie alle anderen überlebenden Politbüromitglieder hatte er diese unterstützt. 1939 wurde Nikita Chruschtschow schließlich Vollmitglied im Politbüro.

Zweiter Weltkrieg und Nachkriegszeit

Am Zweiten Weltkrieg nahm Nikita Chruschtschow im Rang eines Generalleutnants teil. Als Mitglied verschiedener Militärräte musste er einige verheerende Niederlagen gegenüber Stalin verantworten. Verantwortlich war er außerdem für den Abtransport des industriellen und landwirtschaftlichen Maschinenparks der Ukraine und für die Organisation des Partisanenkampfs in der Ukraine. Ansonsten war er Bindeglied zwischen dem Politbüro und verschiedenen Fronten im Südwesten.

Chruschtschow während des Zweiten Weltkriegs.
Chruschtschow während des Zweiten Weltkriegs.

Nach Kriegsende war Chruschtschow verantwortlich für den Wiederaufbau der Ukraine, die Bekämpfung des Hungers und den fortdauernden Kampf gegen ukrainische Nationalisten. Die Zuspitzung der Hungersnot führte 1946 zu einer vorübergehenden Schwächung seiner politischen Position, so dass er vorübergehend seine Funktion als Erster Parteisekretär der Ukraine verlor.

Erster Sekretär

Das Jahr Der 5. März 1953 stellte eine Zäsur in der Geschichte der Sowjetunion dar. Der langjährige Diktator Josef Stalin starb am 5. März 1953 und somit wurde die Position an der Spitze des Staates „frei“. Ein Machtvakuum entstand. Nikita Chruschtschow wusste diese Lücke zu füllen. Er wurde am 13. September 1953 zum Ersten Sekretär des Zentralkomitees der KPdSU gewählt. Da die Position des Regierungschefs und des Ersten Sekretärs getrennt worden waren musste sich Chruschtschow die Macht zunächst mit Georgi Malenkow teilen.

Die Entstalinisierung

Auf dem XX. Parteitag der KPdSU 1956 kritisierte Chruschtschow in seiner Geheimrede „Über den Personenkult und seine Folgen“ seinen Vorgänger Josef Stalin und die begangenen Verbrechen. Die sowjetische Führung leitete daraufhin eine grundlegende Wende in der Gesellschafts- und Wirtschaftspolitik ein, die als Entstalinisierung bekannt wurde. Es entwickelte sich eine Tauwetter-Phase, in der sich im gesamten Ostblock reformkommunistische Bewegungen bildeten (v.a. in Polen und in Ungarn). In Ungarn schlug die Hoffnung auf Reformen in offenen Widerstand um. Der losgetretene Volksaufstand wurde durch  Chruschtschow brutal niedergeschlagen. Alamiert durch die Enwicklungen in den „Brüderstaaten“, versuchte die Mehrheit der Mitglieder des Politbüros den Ersten Sekretär zu stürzen. Der Putsch mislang aber und Chruschtschow entmachtete seine Rivalen.

Auf dem Zenit seiner Macht

Am 27. März 1958 wurde Chruschtschow als Nachfolger von Bulganin Vorsitzender des Ministerrates und vereinte damit wieder das höchste Parteiamt und das Amt des Regierungschefs in einer Person. Chruschtschow initiierte, bestärkt durch seine neue Machtposition, eine bis dahin beispiellose Zahl an Reformen in der Sowjetunion. Vor allem die Wirtschafts- und Gesellschaftspolitik, die Bildung und die Kultur waren von diesen Maßnahmen betroffen.

Außenpolitisch propagierte er das Prinzip der „friedlichen Koexistenz“ der Systeme und verkündete das Ziel, den Kapitalismus vor allem auf wirtschaftlicher Ebene zu besiegen. Seine Auftritte auf internationaler Bühne waren nicht immer skandalfrei. So benutzte er beispielsweise in einer Rede vor den Vereinten Nationen einmal seinen Schuh, um seine Rede zu verdeutlichen. Des Weiteren versuchte er sich dem kommunistischen Regime in Jugoslawien anzunähern, was einen Bruch mit der Volksrepublik China provozierte. Während der Amtszeit Chruschtschows kam es auch zur Kubakrise, welche die Welt an den Rand eines Atomkriegs brachte.

Kubakrise Karikatur
Karikatur zur Kubakrise.

Entmachtung und letzte Jahre

Seit etwa 1960 begann Chruschtschows Ansehen in der sowjetischen Führung allmählich schwächer zu werden. Seine Versprechungen von Rekordernten in der Landwirtschaft stellten sich jedes Jahr aufs Neue als unerfüllbar heraus. Zudem regierte er zunehmend eigenmächtiger und verprellte durch einige Maßnahmen seine Verbündeten In Staat und Partei. Am 14. Oktober 1964 enthob ihn das Zentralkomitee der KPdSU vom Amt des Staats- und Parteichefs. 1966 verlor er auch noch seinen Sitz im Zentral-Kommitee. Daraufhin zog er sich ins Privatleben zurück.

Am 11. September 1971 starb Nikita S. Chruschtschow in Moskau an Herzversagen.

Empfehlenswerte Literatur zu dem Thema:*
Nikita Chruschtschow: Chruschtschow erinnert sich

 

 


3 Gedanken zu “Nikita Sergejewitsch Chruschtschow

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