Die Kongokonferenz

In den Jahren 1884 und 1885 trafen sich die Vertreter der wichtigsten europäischen Mächte in Berlin, um über eine Handelsfreiheit am Kongo und am Niger zu beraten. Die Konferenz sollte nicht nur über die Zukunft dieser Region entscheiden, sondern sie prägte einen ganzen Kontinent bis heute.

Die Kongokonferenz von 1884/85
Kongokonferenz von 1884/85

Die Ausweitung des europäischen Einflusses in Afrika im 19. Jahrhundert

Bis weit in das 19. Jahrhundert hinein war den Europäern der größte Teil des afrikanischen Kontinents noch weitgehend unbekannt. Vorgedrungen waren sie bis zu diesem Zeitpunkt meistens lediglich in die Küstenregionen. Vor allem Briten, Franzosen und Portugiesen unterhielten zu dieser Zeit in Afrika Handelsstützpunkte. Ihr Herrschaftsbereich beschränkte sich dabei, von wenigen Ausnahmen abgesehen, auf ein kleines Gebiet entlang der Küste. Vorstöße ins Innere Afrikas wurden indes kaum unternommen, weswegen Afrika in den Köpfen der Europäer weiterhin der „dunkle Kontinent“ blieb. Aus verschiedenen Gründen änderte sich dies aber im Laufe des 19. Jahrhunderts. Missionare und Entdecker begannen immer tiefer in die unbekannten Gebiete vorzudringen und  diese zu kartografierten. Mit der Erforschung des Kongobeckens 1874 bis 1877 beseitigte der britisch-amerikanische Journalist, Afrikaforscher und Buchautor Henry Morton Stanley schließlich den letzten großen „weißen Fleck“ von der Landkarte Afrikas.

Die Vorgeschichte der Konferenz

Diese Entdeckung machte den belgischen König Leopold II. auf den ehrgeizigen Abenteurer aufmerksam. Bereits 1876 hatte der ambitionierte Herrscher eine Internationale Afrikanische Gesellschaft gegründet, die sich der „Erforschung und Zivilisierung“ Afrikas widmen sollte. Zwei Jahre später gründete er noch eine zweite Gesellschaft, welche sich wirtschaftlichen Zielen verschrieben hatte: die internationale Kongo-Gesellschaft. Durch die geschickte Verknüpfung beider Gesellschaften kaufte Leopold II. in den nächsten Jahren die fremden Anteile auf und sicherte sich so den dominierenden Einfluss.

Der Wettlauf um den Kongo

Von 1879 bis 1884 reiste Stanley als Abgesandter des belgischen Königs mit einem Geheimauftrag erneut an den Kongo. Seine Aufgabe bestand in der Organisation eines Kongostaats. Gleichzeitig reiste der französische Marineoffizier Pierre Savorgnan de Brazza in das westliche Kongobecken und hisste im neu gegründeten Brazzaville 1881 die französische Flagge. Portugal, das aus alten Verträgen mit dem einheimischen Kongo-Reich ebenfalls Ansprüche auf das Gebiet herleitete, schloss am 26. Februar 1884 mit Großbritannien einen Vertrag, der vorsah, der Kongogesellschaft den Zugang zum Atlantik zu versperren. Der Verlust des Zugangs zum Meer hätte den Erfolg des belgischen Projekts extrem gefährdet, weswegen Leopold II. von Belgien bei den anderen europäischen Mächten intervenierte. Schließlich schaffte er es die Vertreter Deutschlands sowie Frankreichs von der Notwendigkeit eines gemeinsamen Vorgehens in Afrika zu überzeugen. Aus diesem Grund lud der deutsche Reichskanzler Otto von Bismarck die Vertreter der der wichtigsten europäischen Staaten sowie die USA und das Osmanische Reich zu einer Konferenz nach Berlin ein.

Henry Morton Stanley mit Eingeborenen.
Henry Morton Stanley mit Eingeborenen.

Die Konferenz

Diese trat am 15. November 1884 im Reichskanzlerpalais in der Wilhelmstraße zusammen.  Nach zähen Verhandlungen ging die Konferenz einige Monate später zuende. Man erkannte den Anspruch des belgischen Königs auf das Kongo-Becken an, erklärte den Unterlauf des Kongo-Flusses zur Freihandelszone und bestätigte die französischen Ansprüche auf die Gebiete am nördlichen Kongo-Ufer. Des Weiteren wollte man die Sklaverei bekämpfen und die „sittliche und materielle Wohlfahrt“ der Afrikaner fördern. Neben den Beschlüssen zum Kongogebiet steckten sie Staaten ihre Einflussgebiete auf dem Kontinent ab. Alle Ergebnisse wurden in der sogennanten „Kongoakte“ festgehalten.

König Leopold II. von Belgien war der eigentliche Gewinner der Kongokonferenz. Mit dem Kongo war das rohstoffreichste Gebiet Afrikas nicht in den Besitz einer Großmacht übergegangen, sondern an das kleine Belgien. Außerdem hatte sich herausgestellt, dass die Interessen Englands und Frankreichs, was die Kolonialpolitik betraf, unvereinbar miteinander waren. Bismarck hatte sich einmal mehr als „ehrlicher Makler“ bewährt, was seine politische Rolle noch auf Jahre hinaus festigen sollte.

Die Kongokonferenz von 1884/85
Die Kongokonferenz von 1884/85

Auswirkungen

In den nächsten Jahren beschleunigte sich der „Wettlauf um Afrika“. Bis 1885 waren über 90% des afrikanischen Kontinents im Besitz europäischer Staaten. Lediglich Abessinien sowie die Siedlungskolonien Liberia, Oranje-Freistaat und Transvaal konnten ihre Unabhängigkeit bewahren.

Politische Karte Afrikas 1914
Politische Karte Afrikas 1914

Empfehlenswerte Literatur zu dem Thema:*
Jürgen Osterhammel: Kolonialismus. Geschichte, Formen, Folgen


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