Der Nordirlandkonflikt

Zwischen 1969 und 1998 kämpften Katholiken und Protestanten in Nordirland gegeneinander. Während Teile der Katholiken einen Anschluss des Landes an die Republik Irland anstrebten, wollten die Unionisten weiter zum Vereinigten Königreich gehören.  Die Auswirkungen der Gewalt sind bis heute spürbar.

Katholische Demonstranten bewerfen ein britisches Panzerfahrzeug mit Steinen.
Katholische Demonstranten bewerfen ein britisches Panzerfahrzeug mit Steinen.

Die Wurzeln des Konflikts

Der Nordirlandkonflikt hat bereits eine lange Geschichte. Die Ursprünge liegen im 17. Jahrhundert. In dieser Zeit siedelte der englische König Protestanten in der Provinz Ulster an, um seine Herrschaft über Irland zu festigen. Dies veränderte die Bevölkerungszusamensetzung Nordirlands grundlegend. Seitdem ist die protestantische Konfession in weiten Teilen der Region dominant. Die Katholiken wurden seit der englischen Landnahme stark diskriminiert, was zu mehreren bewaffneten Aufständen führte. Nach der Schlacht am Fluss Boyne im Jahr 1690 war der irische Widerstand aber erst einmal gebrochen.

Ernstzunehmende Proteste flammten erst wieder im 19. Jahrhundert auf. Mit dem Erstarken des Nationalismus im in Europa bildeten sich auch in Irland nationalistische Gruppierungen, die für eine Loslösung von der Union und für ein unabhängiges Irland eintraten. Dies rief den Widerstand der Protestanten in der Provinz Ulster hervor, welche den Erhalt der staatlichen Union forderten.

Nach dem Ersten Weltkrieg wurden 1921 große Teile Irlands in die Unabhängigkeit entlassen. Die sechs mehrheitlich protestantischen Grafschaften in Ulster hingegen verblieben im Vereinigten Königreich. Die katholische Minderheit in Nordirland sah sich etlichen rechtlichen, sozialen und wirtschaftlichen Benachteiligungen ausgesetzt. Eine wirkungsvolle Opposition entstand jedoch erst mit der Bildung der „Northern Ireland Civil Rights Association“ in den 1960er Jahren. Die Dachorganisation zahlreicher katholischer Bürgerrechtsverbände organisierte ab 1967 viele Demonstrationen, um auf die Missstände im Land aufmerksam zu machen. Die Protestmärsche wurden dabei immer wieder von den nordirischen Sicherheitsorganen und protestantischen Radikalen attackiert, was wiederum gewalttätige Reaktionen katholisch-nationalistischer Gruppen hervorrief.

Demonstration der "Northern Ireland Civil Rights Association".
Demonstration der „Northern Ireland Civil Rights Association“.

Die Eskalation der Gewalt

Ab 1969 gab es immer mehr Unruhen und Ausschreitungen in Nordirland. Als die Gewalt eskalierte sah sich die britische Regierung zum Eingreifen gezwungen. Premierminister Harald Wilson entsandte die Armee, um die Konfliktparteien von einander zu trennen. Nach anfänglichen Erfolgen eskalierte die Gewalt aber schnell wieder. Das britische Militär wurde zunehmend selbst in die Auseinandersetzungen verwickelt. Höhepunkt war der Bloody Sunday am 30. Januar 1972, als Soldaten 13 unbewaffnete Teilnehmer einer verbotenen Demonstration erschossen. Danach versank Nordirland endgültig in einem Bürgerkrieg zwischen nationalistischen und unionistisch-loyalistischen Gruppierungen. Außerdem erschütterten zahlreiche Terrorakte das Land. Dem Konflikt fielen insgesamt über 3300 Menschen zum Opfer, rund 42 000 wurden verwundet.

Wegen der immer heftigeren Eskalation der Gewalt im Jahr 1972 wurde Stormont, das Parlament Nordirlands, entmachtet und später aufgelöst. Die Exekutivgewalt ging auf London über. Die folgenden Jahre waren gekennzeichnet von dem Versuch, einen Ausgleich zwischen den verfeindeten Gruppen zu schaffen („power-sharing“) und die Selbstverwaltung schrittweise nach Nordirland zurückzuverlagern („devolution“). Politische Abkommen scheiterten jedoch immer wieder am Widerstand der Radikalen in beiden Lagern. So entspannte sich die Lage auch während der 80er Jahre nicht wesentlich.

Terrorakt der IRA.
Terrorakt der IRA.

Der lange Weg zum Frieden

Ab dem Jahr 1991 führte die britische Regierung Friedensgespräche mit den wichtigsten Parteien Nordirlands. Die Verhandlungen gestalteten sich aber äußerst schwierig. Erst als die paramilitärischen Gruppierungen eine unbegrenzte Waffenruhe verkündeten kam man zu einer Lösung. Das Karfreitagsabkommen vom 10. April 1998 besiegelte das Ende des bewaffneten Konflikts.

Die Auswirkungen des Nordirlandkonflikts sind aber bis heute spürbar. Häufig trennen immer noch Mauern die Wohnquartiere von Katholiken und Protestanten. Zudem ist die Spaltung der Gesellschaft noch lange nicht überwunden.

Empfehlenswerte Literatur zu dem Thema:*
Frank Otto: Der Nordirlandkonflikt. Ursprung, Verlauf, Perspektiven


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