Die bayerische Armee im 1. Weltkrieg

Hinführung zum Thema

Gegen Ende des Mittelalters änderte sich das Selbstverständnis der Fürsten im Heiligen Römischen Reich Deutscher Nation erheblich. Fortan verstanden sie sich nicht mehr nur als Vasallen des jeweiligen Monarchen, sie wollten ihre Gebiete vielmehr zunehmend selbstständig regieren. Eine einsetzende Bürokratisierung führte zu Territorialstaaten frühmoderner Struktur. Jene Entwicklungen galten auch für Bayern. In den Prachtbauten des Absolutismus brachten die Herrscher der deutschen Einzelstaaten auch ihren Wunsch nach Souveränität zum Ausdruck. Die Erhöhung Bayerns zum Kurfürstentum und später zum Königreich stärkte zudem die Wichtigkeit des bayerischen Staates erheblich. Um dem eigenen Machtanspruch Nachdruck zu verleihen, stellte auch Bayern in der frühen Neuzeit ein eigenes stehendes Heer auf. Dies begründete bis zum Ausbruch des 1. Weltkriegs eine jahrhundertelange Tradition.

Das Königreich Bayern im Deutschen Kaiserreich
Das Königreich Bayern im Deutschen Kaiserreich

Entwicklungen der bayerischen Armee im 19. Jahrhundert

Zur Wende zum 19. Jahrhundert formte sich langsam die moderne bayerische Armee. dies geschah aus den Erfahrungen mit der französischen Revolution sowie mit denen aus den Feldzügen Napoleons. Zahlreiche liberale Reformen leiteten den Wandel von einer Fürstenarmee zu einer Nationalarmee ein. Das wohl bedeutendste Gesetz in diesem Zusammenhang war das Konskriptionsgesetz aus dem Jahr 1812. In diesem wurde sowohl die Wehrpflicht eingeführt sowie die Aufstellung einer Nationalgarde französischem Vorbilds beschlossen. Außerdem wurden ab diesem Zeitpunkt keine Rekruten mehr in den Dienst gepresst oder unzuverlässige Kräfte in das Militär aufgenommen. So wurde die Moral in den Regimentern gestärkt. Zudem wurde der Kauf von Offiziersposten verboten und Möglichkeiten zur Unterwanderung der Dienstpflicht immer mehr begrenzt. Mit diesen Neuordnungen wurde eine schlagkräftige Armee geformt, die aber bereits wenige Jahr später im Russlandfeldzug 1812 größtenteils wieder vernichtet wurde. Nach den Befreiungskriegen im Jahr 1815 sollten die Bayern ihre einstige Stärke nicht mehr so schnell erreichen. Dies lag zum einen an den geringen Etats, die dem Militär unter den Königen Ludwig I. und Maximilian II. bewilligt wurden, zum anderen jedoch auch an der schwachen Armeeführung. In diesen Tagen wurde auch seitens der Regierung kaum Wert auf eine Militarisierung des Bürgertums gelegt. Die Auswirkungen der Vernachlässigung des Heeres zeigten sich im griechischen Feldzug 1832-1835 sowie im deutschen Bruderkrieg 1866. Aufgrund dieser Erfahrungen stieß Kriegsminister Freiherr von Pranckh zahlreiche Reformen an, wie zum Beispiel die allgemeine Wehrpflicht. Im Deutsch-Französischen Krieg von 1870/71 zeigten diese Maßnahmen erste Erfolge. So waren die Königlich bayerischen Truppen und die anderen deutschen Staaten neben ihnen am Ende siegreich. Der Hauptgrund hierfür dürfte aber in der totalen Desorganisation des Feindes liegen. In den Jahren 1881, 1887, 1893, 1905, 1911, 1912 und 1913 wurden Gesetze zur Erhöhung des Wehr-Etats erlassen. Dies brachte eine Erhöhung der Truppenstärke und eine Verbesserung der Ausrüstung mit sich. Nach der Reichsgründung 1871 wurden außerdem immer mehr Elemente der Organisation der Preußischen Armee übernommen. Beispielsweise wurde noch im selben Jahr der Geltungsbereich des norddeutschen Militärrechts auf Bayern ausgeweitet. Außerdem wurde 1893 ein Reichsmilitärgerichtshof eingerichtet, der die Einzelstaaten weiter in ihrer Souveränität beschnitt. Eine positive Folge von dieser Vereinheitlichung war aber das weitestgehende Verschwinden der Disziplinlosigkeit.

Das Militär in der Gesellschaft sowie die Stimmung in der Bevölkerung bei Kriegsausbruch 1914

Auch in Bayern kam es in den Jahren vor 1914 zu einer steigenden Militarisierung der Gesellschaft. Dies färbte vom Beispiel Preußens ab, da dort in der wilhelminischen Zeit ein starkes Bewusstsein für alles Soldatische geschaffen wurde. So fanden auch in Bayern etliche Feldübungen statt und Kriegervereine traten mehr in das öffentliche Bewusstsein.

In der Juli-Krise, die schließlich in den ersten großen Konflikt des Jahrhunderts mündete, kam es zu patriotischen Straßenkundgebungen. Die größten gab es in München und in Nürnberg.

Die einzige Gruppe, die versuchten den Frieden in Europa zu bewahren, waren die Sozialdemokraten. Sie organisierten einige Demonstrationen für ihre Sache, stießen jedoch nur auf eine geringe Resonanz. Aus diesem Grund konnten sie den kommenden Krieg nicht verhindern.

Als König Ludwig III. am 1. August schließlich die Generalmobilmachung vom Balkon des Wittelsbacherpalais verkündete, sprach er vor einer kriegsbegeisterten Menschenmasse. Unter Trommelwirbel zogen einige Regimenter von München aus direkt nach dieser Ansprache gen Reichsgrenze.

Schlussendlich stimmten auch die Sozialdemokraten dem Burgfrieden zu und bewilligten Kredite zur Finanzierung des bewaffneten Konflikts.

Auch wurden die Ressentiments gegen Preußen im ersten Kriegsjahr nahezu aufgegeben. Dies zeigt sich zum Beispiel daran, dass die „Hurra“-Rufe in den ersten Kriegstagen eher Kaiser und Reich galten als der bayerischen Monarchie. Die patriotische Stimmung erfasste fast alle Bevölkerungsschichten, weswegen im August und September zahlreiche Freiwillige in die Kasernen strömten.

'Hurra-Patriotismus' zu Beginn des Ersten Weltkrieges
‚Hurra-Patriotismus‘ zu Beginn des Ersten Weltkrieges

Die Generalmobilmachung und die Befehlsstrukturen nach Kriegsbeginn

Nach dem Attentat von Sarajevo am 28. Juni 1914, bei dem der österreich-ungarische Thronfolger Franz Ferdinand von einem bosnisch-serbischen Nationalisten ermordet wurde, erklärte die Donaumonarchie dem serbischen Staat nach einem Ultimatum am 28. Juli 1914 den Krieg. Wegen eines Militärbündnisses mit dem südlichen Nachbarn tat der deutsche Kaiser und König von Preußen Wilhelm II. das selbige. Russland, Schutzmacht Serbiens, und Frankreich, Alliierter des Zarenreichs, wurden auf Grund der Bündnisverpflichtungen in den darauffolgenden Tagen auch in den Krieg hineingezogen. Aufgrund des seit 1866 bestehenden Schutzes und Trutzbündnisses musste auch Bayern an der Seite Preußens und der anderen deutschen Staaten in den Krieg ziehen. König Ludwig III. hatte selbst nur sehr beschränkte Möglichkeiten diese Auseinandersetzung zu verhindern und wollte dies wegen der engen familiären Bindung an das Haus Habsburg auch gar nicht.

So bezogen bereits am 25. Juli bewaffnete Posten ihre Stellungen nahe der Grenze. Des Weiteren wurden ab dem 28. Juli wichtige Kunstbauten bewacht. Alle Einheiten, die zu Manövern ausgerückt waren, wurden umgehend in ihre Kasernen zurückbeordert. Der Zustand der „drohenden Kriegsgefahr“ wurde aber erst am 31. Juli verkündet. Am 1. August 1914 schließlich ordnete Ludwig III. die bayerische Generalmobilmachung an. Im Zuge dessen ging der Oberbefehl für die mobilen Truppen auf den deutschen Kaiser über.

Geheimabkommen von 1874 und 1889 sicherten den bayerischen Streitkräften ein eigenes Armeeoberkommando und somit eine gewisse Autonomie innerhalb des Reichsheeres zu.

Die hohe Zahl von Freiwilligen in den ersten Kriegstagen beschleunigte den Aufbau der 6. Armee, in der in den Jahren 1914-15 hauptsächlich bayerischen Soldaten dienten und die in diesem Zeitraum unter dem Oberbefehl des Kronprinzen Rupprecht von Bayern stand.

Für die Versorgung mit kriegswichtigen Ressourcen und neuen Rekruten wurden, wie schon im Deutsch–Französischen Krieg 1870/71, die stellvertretenden Generalkommandos betraut. Seit dem Jahr 1900 war das Königreich Bayern in drei solche Einrichtungen mit Sitzen in München, Würzburg und Nürnberg gegliedert. Als immobile Truppenverbände ging die Befehlsgewalt nicht an die Oberste Heeresleitung über, sondern verblieb stattdessen bei der bayerischen Regierung. Ab 1916 versuchte das preußische Militär jedoch zusehends Einfluss auch auf diesen Bereich der Einzelstaaten auszuüben, wogegen sich das bayerische Kriegsministerium energisch wehrte.

Mit dem Beginn des 1. Weltkriegs übernahmen Militärbefehlshaber die exekutive und legislative Macht in Bayern. Diese Regelung galt nicht für die Rheinpfalz, da dort das bayerische Kriegszustandsgesetz nicht galt und so nur der Belagerungszustand verhängt wurde. Zivile Behörden der unteren und mittleren Verwaltungsebene wurden mit einer Verordnung Ludwig III. zur Verhängung des Kriegszustandes vom 31. Juli 1914 den militärischen Ämtern unterstellt. Die Ministerien blieben in ihren Kompetenzen aber unberührt und bestanden neben den militärischen Institutionen als zivile weiter. Im Vergleich zu Preußen war es in Bayern jedoch weiterhin untersagt die persönlichen Grundrechte der Bürger zu verletzten. Anders als in Friedenszeiten konnten jedoch Standgerichte zur Verfolgung von Hoch- und Landesverrat angeordnet werden und zudem wurde das Strafrecht in einigen Bereichen verschärft. Diese Maßnahmen sollten die innere Ordnung aufrechterhalten und Unruhen verhindern.

Verabschiedung bayerischer Soldaten vor ihrer Fahrt an die Front (1914)
Verabschiedung bayerischer Soldaten vor ihrer Fahrt an die Front (1914)

Die Aufstellung und Zusammensetzung des bayerischen Heeres

Die Friedensstärke der Königlich Bayerischen Armee lag im Jahr 1914 bei 4.089 Offizieren und Beamten. Dazu kamen noch 83.125 Unteroffiziere und gemeine Soldaten.

Mit Ausbruch des Krieges sollte die Kampfkraft des Heeres auf insgesamt 9.670 Offiziere, 1.269 Ärzte, 320 Veterinäre für die Pferde und 100 Flugzeuge erhöht werden. Diese gesetzte Marke wurde aber bereits im ersten Monat der Kampfhandlungen übertroffen und im Frühjahr 1918 standen sogar 910.000 Männer unter Waffen.

Zu unterscheiden sind hier die Verbände an der Front und die in der Heimat. Circa zwei Drittel der Männer befanden sich im aktiven Einsatz an den Schauplätzen des Krieges, die restlichen bildeten die Festungsbesatzungen oder erfüllten sonstige Aufgaben.

Die Front-Soldaten sollten bis 1915 hauptsächlich in der 6. Armee, unter dem Oberbefehl des Kronprinzen Dienst leisten. Das Heer wurde in eine Kavalleriedivision, in drei Landwehrdivisionen und in eine Ersatzdivision gegliedert. Zwischen Ende 1914 und Anfang 1915 wurden zwei weitere Reserve-Divisionen aufgestellt.

Mit der Generalmobilmachung wurden zunächst die im Urlaub befindlichen Mannschaften und Offiziere in die Kasernen zurück beordert. Auch wurden die Reservisten einberufen, um „[den] Thron und [das] Vaterland“ zu verteidigen.

Des Weiteren wurden viele Pferde begutachtet und beschlagnahmt, da 1914 weite Teile der Armee noch unmotorisiert waren und die Truppen so auf die Zugkraft der Tiere angewiesen waren. Auch Feldgeistliche zogen mit, um die Moral der Soldaten hoch zu halten.

Mit der Versorgung der Verwundeten wurde das Rote Kreuz betraut. Diese Institution wurde unter Regierungskontrolle gestellt, indem man den Reichsrat Graf von Drechsel-Deufstetten an die Spitze setzte.

Der eigentliche Aufmarsch erfolgte in Deutschlothringen, um die Grenze zu Frankreich zu schützen, da dort ein Angriff befürchtet wurde. Im Zeitraum vom 2.-5. August geschah dies.

Um einen erfolgreichen Feldzug führen zu können, hob Kronprinz Rupprecht von Bayern Militärs mit denen er ein besonderes Vertrauensverhältnis pflegte in führende Positionen. Chef des Generalstabs zum Beispiel wurde Generalmajor Krafft von Dellmensingen, der später als Gründer der bayrischen Gebirgstruppen in die Geschichtsbücher eingehen sollte.

Die soziale Zusammensetzung des Heeres durchlief in diesem Konflikt einen großen Wandel. Es wurde darauf geachtet, dass in einem Truppenkontingent vornehmlich Kämpfer aus einer Region waren. Diese Regelung musste aber in Laufe der Zeit aufgegeben werden, da der Nachschub immer unzureichender wurde. Viele der jüngeren Wehrpflichtigen dienten bereits nach der Juli-Krise in Einheiten, die aktiv in das Geschehen an der Front eingriffen. Deswegen hatte die Gruppe der 20-24 Jährigen mit rund 42% die größten Verluste zu beklagen. Die Zusammensetzung der verschiedenen Truppen änderte sich ab 1916 aber noch einmal tief greifend. Um doch noch aus dem fest gefahrenen Stellungskrieg in Belgien und Nordfrankreich ausbrechen zu können, sollten die letzten Reserven mobilisiert werden. Deswegen wurde aus Reserve-Divisionen nun planmäßig junge Soldaten heraus gelöst und durch Ältere ersetzt, um die Kampfkraft zu erhöhen. Das änderte die soziale Zusammensetzung der verschiedenen Einheiten grundlegend, da die verschiedenen Altersgruppen ab diesem Jahr oft voneinander getrennt dienten.

Schützengraben (Ende 1914/Anfang 1915)
 deutscher Schützengraben (Ende 1914/Anfang 1915)

Die Rolle an der Westfront

Wegen der Überlegenheit der feindlichen Kräfte, gab Helmuth von Moltke, Chef der ersten OHL, zunächst einen Rückzugbefehl für den Frontabschnitt in Elsass-Lothringen. Nach dem Anlaufen der Mobilmachung des Königlichen Heeres im August bezog der Generalstab in der Nähe der feindlichen Linien in St. Avold zunächst sein Hauptquartier. Zu dem Zweck einen Entlastungsangriff für die Front in Belgien zu führen und die von der Entente besetzen deutschen Ortschaften zurück zu gewinnen, wurde in dieser Zeit die 7. Armee den Verbänden der Bayern zur besseren Koordinierung unterstellt. Es sollten möglichst viele feindliche Kräfte in diesem Raum gebunden werden, weswegen die 6. und 7. Armee einen Vorstoß in Richtung der Flüsse Mosel und Meurthe wagen. Der Angriff sollte auf breiter Front erfolgen, aber bei einer Gegenbewegung der Franzosen abgebrochen werden. In diesem Fall sollten sich die deutschen Truppen zu einem Festungsgürtel im Elsass und in Lothringen zurückfallen lassen, um die Franzosen in die Reichweite der Festungsgeschütze zu bringen. Später wollte man dem Feind in die Flanken fallen, um eventuell sogar eine Einkesselung herbei zu führen. Der deutsche Angriff seinerseits begann am 20. des Monats, geriet aber bald ins Stocken, da die Alliierten gut ausgebaute Stellungen an ihrer Ostgrenze ausgehoben hatten. So konnte auch dieses vorwärts dringen nicht verhindern, dass viele feindliche Einheiten gen Norden verlegt wurden, mit dem Ziel die Hauptoffensive der Mittelmächte durch Belgien zum Stehen zu bringen. Es konnte auf bayerischer Seite, trotz der zahlenmäßigen Überlegenheit, kein entscheidender Durchbruch gelingen und so wurde der verlustreiche Festungskampf schließlich aufgegeben. Die bayerischen Divisionen waren nach der Verlegung von einigen ihrer Korps zusendens in die Defensive gedrängt. Schlussendlich wurden immer mehr Teile der 6. und 7. Armee nach Nordfrankreich verlegt, da der deutsche Vorstoß an der Marne, kurz vor Paris zum Erliegen kam. In der Folgezeit kam es zum „Wettlauf zum Meer“. Hier versuchten alle Konfliktparteien dem Gegner in die Flanke zu Fallen, um zur Nordsee vorzustoßen zu können und so den Feind vom Nachschub abzuschneiden. Diesen Versuchen waren aber auf beiden Seiten kein Erfolg beschieden und so zeichnete sich allmählich ein Ende des Bewegungskrieges ab. In dieser Situation parierte auch die neu organisierte Armee des Kronprinzen von Bayern am 25. September einen Vorstoß der 10. französischen Armee. In dieser Phase des Konflikts wurde auf deutscher Seite bereits die ersten Schützengräben zur Verstärkung der eigenen Stellungen ausgehoben. Dies leitete den bis 1918 andauernden Stellungskrieg an der Westfront ein. Rupprecht stand einem solchen jedoch sehr kritisch gegenüber und setzte sich bei dem Chef der zweiten OHL, Erich von Falkenhyn, dafür ein einen Rückzug durchzuführen, um aus dem Grabenkrieg ausbrechen zu können. Größere Gebietsverluste wurden jedoch abgelehnt und so der Plan wieder verworfen. In den folgenden Jahren nahmen des Kronprinzen Truppen an vielen bedeutenden Schlachten des 1. Weltkriegs teil. Hier zu nennen ist zum Beispiel die Somme-Schlacht 1916 oder die dritte Flandernschlacht 1917. Bis Ende 1917 befand sich die gesamte deutsche Streitmacht im Westen in der Defensive. Im Laufe des Krieges wurden außerdem immer mehr bayerische Soldaten aus der 6. Armee versetzt und an anderen Schauplätzen eingesetzt, so dass immer weniger von einem einheitlich weiß-blauem Einheitenverband gesprochen werden kann. Im Zuge der Umstrukturierung des Heereswesens an der Westfront wurden verschiedene Heeresgruppen geschaffen, die den Oberbefehl über mehrere Armeen ausüben sollten. Diese Maßnahme sollte die Effektivität erhöhen. Davor wurden die Anweisungen für jede Armee direkt von der OHL bezogen, was sich als sehr ineffizient herausstellte. Unter den neu aufgestellten Heeresgruppen befand sich auch die Formation „Kronprinz Rupprecht von Bayern“, deren Kommando an den Namensgeber ging. Auf Grund dieser Beförderung musste er den Oberbefehl seiner bisher ihm anvertrauten Verbandes am 28. August 1916 an Ludwig von Falkenhausen abgeben. Nach dem Friedensschluss mit Sowjet-Russland im Jahr 1917, mobilisierte die militärische Leitung der Mittelmächte die letzten verfügbaren Reserven für die Westfront. Bei der geplante Frühjahrsoffensive des Jahres 1918 spielte das Kontingent des bayerischen Kronprinzen eine entscheidende Rolle. Vor allem die anfangs geglückte Operation Michael machte der bayerischen und der deutschen Führung im allgemeinen Hoffnung auf einen siegreichen Ausgang dieses Waffengangs. Mit dieser Offensive konnte jedoch schlussendlich kein entscheidender Durchbruch erreicht werden. Die meisten der weiteren Operationen der Frühjahrsoffensive waren jedoch meist ein Fiasko und brachten riesige Verluste. Lediglich das Unternehmen Blücher-Yorck zeigte Wirkung und die Kaiserlichen und Königlich bayerischen Truppen kamen bis auf 92 Kilometer an Paris heran. Dieser letzte Versuch das Kriegsglück doch noch wenden zu können, scheiterte aber dann an der materiellen Überlegenheit der Alliierten und dem verstärkten Eintreffen von Soldaten und Material aus den USA. Wegen der hoffnungslosen Situation und aufgrund der Novemberrevolution, die zwischenzeitlich im Reich ausgebrochen war, forderte die dritte OHL die Politiker dazu auf einen Waffenstillstand herbei zu führen. Dieser wurde am 11. November 1918 in Compiègne geschlossen.

Übergabe der Waffenstillstandsbedingungen in Compiègne,
Übergabe der Waffenstillstandsbedingungen in Compiègne

Zur Veränderung der Kriegsführung durch den technischen Fortschritt

Die industrielle Revolution brachte eine grundlegende Veränderung der Lebensverhältnisse der Menschen mit sich. Diese Entwicklungen revolutionierten auch das Militärwesen. Bereits in den ersten Jahren des 19. Jahrhunderts wurden als erste technische Truppen Pioniereinheiten aufgestellt. Diese sollten das schnelle Überqueren von Gewässern und sonstigen Hindernissen sicher stellen.

Aber weiteren Modernisierungen verschloss man sich aber in Deutschland und in Bayern im speziellen weitestgehend. Die Doktrinen der Armeeführungen waren immer noch geprägt von Vorstellungen über Moral und Tapferkeit und aus den Erfahrungen der Kriege von 1866 und 1870/71. So verlief die Technisierung vor Beginn des 1. Weltkriegs sehr schleppend. Ein unzureichender Etat tat hierbei sein übriges. So kam es, dass vor allem Bayern bis Kriegsbeginn hinter den technischen Möglichkeiten blieb.

Erst nach dem Ende des Bewegungskrieges im September 1914 wurde langsam die Zahl der technischen Truppen erhöht. Dies geschah mit dem Zweck aus dem Stellungskampf auszubrechen. Anpassungen an die moderne Kriegsführung kamen aber meist von den unteren Befehlsebenen. Diese wurden meist zuerst improvisiert, um die neue Situation meistern zu können. Später reagierte die Armeeführung und unterstützte dann diese Veränderungen, eigene Entwicklungen waren sehr rar. Auch wurden zur logistischen Unterstützung der Truppe meist nur Pferde verwendet, Pkw und Lkws waren in viel zu geringer Zahl vorhanden. Bis ins Jahr 1918 konnten nur rund 40.000 Kraftfahrzeuge aufgeboten werden, auf alliierter Seite waren es im gleichen Jahr allein an der Westfront 200.000. Während des Krieges wurden sie aber immer wichtiger, da immer mehr Nachschub zu transportieren war und dies allein durch die Pferdegespanne nicht mehr zu bewältigen war. Ein weiterer Vorteil von Kraftfahrzeugen bestand darin, dass der Verwundetentransport hier erheblich schneller von statten ging als mit traditionellen Methoden.

Mit fortschreiten des Krieges wurde die Panzerwaffe entwickelt und kam zum Einsatz. Aber eine entscheidende Schwächung des Gegners gelang damit auch nicht. Auch muss man anderen Neuerungen zum Teil skeptisch gegenüber stehen, da sie im Gefecht oft zerstört wurden oder noch unausgereift waren.

Das Telefon oder Fernsprecheinrichtungen beispielsweise funktionierten fast ausschließlich über Drahtverbindungen. Diese Leitungen mussten sehr zeitintensiv verlegt werden. Des weiteren war der Einsatz von technischen Neuerungen keineswegs flächendeckend, da die britische Seeblockade das deutsche Reich von Rohstoffimporten fast völlig abschnitt.

Bis Ende des Krieges wurden zum Beispiel fast sämtliche Lkw-Reifen auf die weniger brauchbaren Eisenreifen umgerüstet, da Kautschuk knapp geworden war.

Festzustellen ist, dass trotz der Weiterentwicklung der technischen Möglichkeiten dennoch häufig auf zuverlässigere nicht-technische Instrumente zugegriffen wurde. Dies liegt natürlich auch darin, dass es kaum Personal gab, welches mit dem Umgang solcher Geräte vertraut war. Auch hegte das traditionelle Offizierskorps einige Ressentiments gegen Modernisierungen und stand solchen deswegen eher ablehnend gegenüber. Deswegen kamen solche Reformen bei der Kriegsführung oft sehr spät und wurden auch nur halbherzig umgesetzt. Dies war auf alliierter Seite anders. Deswegen erreichte der Grad der Technisierung bei ihnen ein viel höheres Niveau. In einem waren sich aber alle Konfliktparteien einig. Jede Seite wollte immer größere und todbringendere Waffen herstellen. Im Grabenkrieg war die Taktik den Feind durch Artilleriesalven „ausbluten“ zu lassen. Das ist der Grund, warum es in diesem Bereich zu großen Fortschritten kam. Auch wurde in diesem Krieg erstmals an Giften geforscht, was schließlich ab dem Jahre 1915 in einen Kampf mit Gas mündete. Sogar Starkstromleitungen wurden zum Absichern der Front und zur Bekämpfung des Feindes genutzt. Dies zeigt, dass sich trotz aller Abneigungen seitens der deutschen Generalität der Charakter des Kampfes zusehends durch die Technisierung veränderte und dass sich dieser Konflikt von allen voran gegangenen erheblich abhob.

Deutscher Panzer an der Westfront im Juli 1918
Deutscher Panzer an der Westfront im Juli 1918

Das Ende des bayerischen Heereswesens

Nach dem Ende des 1. Weltkriegs setzten Verhandlungen über die Stellung der Länder zum Reich ein. Diese betrafen auch das Militärwesen. Bayern beanspruchte zunächst die Reservatrechte der Novemberverträge von 1870 weiter. Die Regierung war aber durch die Revolution und durch andere innere Unruhen so destabilisiert, dass diese Forderungen nicht durchgesetzt werden konnten. Mit dem Inkrafttreten der zentralistisch(er) ausgelegten Weimarer Verfassung ging die Königlich Bayerische Armee offiziell in der 100.000-Mann Reichswehr auf. Am 25. August 1919 wurde der bayerische Teil der neuen Streitkräfte offiziell durch das Reich übernommen. Damit endete eine über 200-jährige Tradition. Das manifestierte den endgültigen Verlust der Souveränitätsrechte, vor dem seit der Reichsgründung 1870 immer wieder gewarnt wurde. Was bleibt sind nicht nur Erinnerungen an die kriegerischen Auseinandersetzungen, sondern beispielsweise auch große Fortschritte im Bereich der Denkmalpflege. Auch kamen berühmte Köpfe der Wissenschaften aus den Reihen des Heeres. Die bayerischen Streitkräfte trieben aber auch die Verbesserung der Infrastruktur voran, was auch zu einem allgemeinen Wirtschaftsaufschwung führte. Von diesen Entwicklungen profitiert die Nachwelt teilweise noch heute.

Empfehlenswerte Literatur zu dem Thema:*
Rainer Braun: Bayern und seine Armee


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