Der „Kreuzkampf“ im Oldenburger Münsterland

Einleitung

Der „Kreuzkampf“ ist noch heute in vielen Köpfen im Oldenburger Münsterland präsent. Bis in die Gegenwart trägt dieser Konflikt maßgeblich für die Identifikationsstiftung der Bewohner aus dem sogenannten Südoldenburg bei. Doch inwiefern wird und wurde die Auseinandersetzung mit dem Nationalsozialismus im Jahr 1936 richtig dargestellt? War es eine regelrechte „Volkserhebung“, ein „Widerstand“ oder war der „Kreuzkampf“ nur ein kleiner politischer Disput, bzw. schlichtweg eine einfache religiöse Frage? Mit dieser Fragestellung wird sich die folgende Ausarbeitung zentral beschäftigen. Hierbei wird auch das Seminarthema mit einbezogen. Eine „Volksgemeinschaft“ im gesamten Deutschen Reich kann ja kaum entstanden sein, wenn schon regional Widerstand gegen das Regime ausgeübt wurde. Kleine Auseinandersetzungen erscheinen jedoch selbst in einer angeblichen „Volksgemeinschaft“ als realistisch und sogar unumgänglich. Daher ist es von entscheidender Bedeutung, ob es sich um einen Widerstand oder um eine kleinere Auseinandersetzung gehandelt hat, um dabei auch untersuchen zu können, ob die propagierte „Volksgemeinschaft“ tatsächlich Realität war.

Für die Beantwortung wird zuerst die Verheißung der „Volksgemeinschaft“ kurz dargestellt, bevor dann der „Kreuzkampf“ im Oldenburger Münsterland behandelt wird. Dabei werden erst die Hintergründe des identifikationsstiftenden Ereignisses näher erläutert. Anschließend werden der Verlauf des „Kreuzkampfes“ und das Resultat dessen aufgezeigt. Nach der Vorstellung des „Kreuzkampfes“ wird die eigentliche Fragestellung bearbeitet, in dem erklärt wird, inwiefern bzw. inwiefern nicht das Wort „Widerstand“ die richtige Bezeichnung für diese Auseinandersetzung war. Am Ende der vorliegenden Ausarbeitung folgt dann ein abschließendes Fazit, in der neben der Ausgangsfrage auch die Frage nach der angeblichen Existenz einer „Volksgemeinschaft“ beantwortet wird.

"Entweder Christus oder Satan": So stellte das französische Magazin "Le Pelerin" den Aufstand gegen den NS-Gauleiter Carl Röver dar.
„Entweder Christus oder Satan“: So stellte das französische Magazin „Le Pelerin“ den Aufstand gegen den NS-Gauleiter Carl Röver dar.

Die NS-„Volksgemeinschaft“

Die Konstruktion einer „Volksgemeinschaft“ bildete einen der wichtigsten Eckpfeiler in der Stabilisierung des NS-Regimes. Nach der Ansicht von Arnulf Scriba vom Deutschen Historischen Museum ist diese aus bereits bestehenden völkischen Gemeinschaftsvorstellungen und den gemeinsamen Erfahrungen in den Schützengräben während des ersten Weltkriegs entstanden und von den Nationalsozialisten als Lösung aller politischen und sozialen Gegensätze der Weimarer Republik propagiert worden. Die Vorstellung einer Volksgemeinschaft sei schon im Ersten Weltkrieg und in der Weimarer Republik häufig präsent gewesen und wurde von den Nationalsozialisten seit ihrer „Machtergreifung“  besonders instrumentalisiert. Sie orientierten sich demnach an die idealisierte Lebenswelt der alten Germanen und beabsichtigten soziale Unterschiede und die Herkunft jedes einzelnen deutschen „Volksgenossen“ vergessen zu machen. Diese baute sich auf rassebiologischen Gedanken auf und beinhaltete  sowohl die Inklusion als auch die Exklusion wie bspw. mit den Juden. Inszenierungen wie etwa bei Massenveranstaltungen oder Sammelaktionen für das Winterhilfswerk (WHW) oder „Eintopfsonntage“ bewirkten bei denjenigen, die in der Gemeinschaft integriert waren, dass der Einzelne sich der Gemeinschaft unterordnete und so zunehmend eine „opferbereite Volks- und Leistungsgemeinschaft“ entstand. Scriba spricht daher der Konstruktion der „Volksgemeinschaft“ eine zentrale Funktion bei der Etablierung ihres totalitären Herrschaftssystems zu.

Michael Wildts Definition der „Volksgemeinschaft“ ist ähnlich, aber tiefgreifender und differenzierter. Er beleuchtet mehrere Teilgebiete, die zu einer „Volksgemeinschaft“ führen sollte. So urteilt er unter anderem: „Die Verheißung einer ‚Volksgemeinschaft‘ war nicht bloß eine Propagandaformel, mit der die nach wie vor anhaltenden sozialen Ungleichheiten ideologisch kaschiert werden sollten, sondern sie bildete den Zielpunkt einer künftigen sozialen Ordnung, der sich viele aus durchaus ganz unterschiedlichen Gründen verschrieben. […] Das Ziel nationalsozialistischer Politik lag in der Herstellung der ‚Volksgemeinschaft‘, einer Gesellschaftsordnung, der nur die ‚erbbiologischen wertvollen‘ und ‚rassereinen‘ Deutschen angehören und aus der die ‚Fremdvölkischen‘ und ‚Gemeinschaftsfremden‘, allen voran die Juden, ausgeschlossen werden sollten. Inklusion und Exklusion sind daher die beiden untrennbar zusammengehörenden Seiten der nationalsozialistischen ‚Volksgemeinschaft‘“. Wichtige Aspekte bei der Herstellung der „Volksgemeinschaft“ waren hauptsächlich die Integration der Arbeiterschaft, der Jugend und auch der Frauen.

Nach der Zerschlagung der Gewerkschaften sollte insbesondere die neugegründete Deutsche Arbeiterfront (DAF) die zumeist kritisch gegenüber dem Nationalsozialismus stehenden Arbeiter für sich gewinnen. Dies zeigte sich auch in einer Verordnung Adolf Hitlers, in der das Ziel der DAF deutlich gemacht wurde. So sei die DAF für die Bildung einer wirklichen Volks- und Lebensgemeinschaft aller Deutschen zuständig gewesen. Zudem sei die DAF dafür verantwortlich, „dass jeder einzelne seinen Platz im wirtschaftlichen Leben der Nation in der geistigen und körperlichen Verfassung einnehmen kann, die ihn zu höchster Leistung befähigt und damit den größten Nutzen für die Volksgemeinschaft gewährleistet. Der Leiter der DAF, Robert Ley, schaffte es durch zahlreiche Betriebsbesuche und symbolischen Gesten und Feiern, wie etwa dem 1. Mai, die Arbeiter davon zu überzeugen, dass sie ebenso viel für die „Volksgemeinschaft“ beitragen wie z.B. hohe Funktionäre. Zudem sorgten vor allem drei Ämter der DAF für eine erhöhte Identifikationsbereitschaft. Das DAF-Amt „Schönheit der Arbeit“  verbesserte u.a. die Hygiene in den Betrieben und war für zahlreiche Modernisierungen verantwortlich. Das Reichsheimstättenamt kurbelte den sozialen Wohnungsbau an und unterstütze Arbeiter, die ein Haus bauen wollten, mit günstigen Krediten. Am beliebtesten war jedoch das Amt „Kraft durch Freude (KdF)“. Dieses organisierte zahlreiche Freizeitaktivitäten. Insbesondere Auslandreisen waren sehr populär. Zwar stand beim Regime die Wehrtüchtigkeit im Vordergrund, die Arbeiter jedoch waren sehr erfreut über das „KdF“-Amt und ließen sich zunehmend für die Ziele des NS-Regimes begeistern. Zudem schafften es die Nationalsozialisten vor allem durch massive Investitionen im Rüstungsbereich die vorher dramatisch grassierende Arbeitslosigkeit zu verringern, wodurch die Arbeiterschaft innerhalb kürzester Zeit zum größten Teil hinter dem NS-Regime stand. Auch im Konsumbereich konnte der größte Teil des Volkes mobilisiert werden. Grund hierfür waren vor allem die „Volksprodukte“ wie etwa dem Volksempfänger oder dem KdF-Wagen, letzterer wurde jedoch nie wirklich an das Volk verkauft.

Auch zahlreiche Frauen konnten für die Sache des Nationalsozialismus gewonnen werden. Durch die Zahlung von Kindergeldern oder der Überreichung eines symbolischen Mutterkreuzes für eine Mutter, die mehrere Kinder auf die Welt gebracht hat, bekamen viele den Eindruck, dass den Nazis viel am Schutz der Familie lägen würde. Vordergründig ging es für diese jedoch für die Vermehrung eines „erbgesunden“ und „arischen Volkes“. Insbesondere das Hilfswerk „Mutter und Kind“ der Nationalsozialistischen Volkswohlfahrt (NSV) gab vielen Frauen die Hoffnung auf eine bessere Zukunft und bot ihnen auch vielfältige Aufstiegschancen. In erster Linie findet die Verheißung einer „Volksgemeinschaft“ aber schon viel früher an. Schon von Kindesbeinen an wurde ihnen die NS-Ideologie indoktriniert. Die Hitlerjugend (HJ) und der Bund deutsche Mädel (BDM) sind dabei vor allem zu nennen. Zwar hatte nicht jedes Mitglied die gleiche Position jedoch wurde auch hier der Eindruck vermittelt, dass jedes Mitglied unabhängig von seiner Herkunft und Vermögensstand seiner Eltern wichtig für die HJ bzw. dem BDM war. Auch hier spielte somit die Konstruktion einer „Leistungs-und Volksgemeinschaft“ eine große Rolle, auch wenn hier die Vorbereitung auf dem Wehrdienst vordergründig von Bedeutung für die Nazis war.

Paramilitärischer Aufmarsch des Arbeitsdienstes, ca. 1940.
Paramilitärischer Aufmarsch des Arbeitsdienstes, ca. 1940.

Der „Kreuzkampf“ im Oldenburger Münsterland

Das Oldenburger Münsterland (offizielle Bezeichnung der heutigen Landkreise Vechta und Cloppenburg) kann historisch als eine Art Sondergesellschaft bezeichnet werden. Es war und ist zum größten Teil bis heute eine dörflich und kleinstädtisch geprägte agrarisch-katholische Region, welche dem Bistum Münster zugehört. Politisch hingegen musste sich zwischen 1803 und 1946 nach Oldenburg orientiert werden, welches größtenteils protestantisch geprägt ist. Reibungspunkte waren daher ständig an der Tagesordnung, zumal nicht nur konfessionelle, sondern auch starke wirtschaftliche und soziale Gegensätze vorhanden waren. Der Norden war gekennzeichnet durch wohlhabendere Großbauern, der Süden durch zumeist ärmere Kleinbauern und Heuerleuten. Dies führte auch dazu, dass die Bewohner aus den nördlichen Regionen Oldenburgs die ärmeren Südoldenburger mitsamt ihren rückständigen, katholischen Glaubensüberzeugungen teilweise verspotteten und bisweilen sogar regelrecht verachteten.

Diese Gegensätze der Bewohner des ehemaligen Großherzogtums zeigten sich während der Weimarer Republik auch in den politischen Überzeugungen. Am 29. Mai 1932 gewannen die Nationalsozialisten in Oldenburg die Landtagswahlen, welches zugleich das erste Mal war, dass sie eine deutsche Landesregierung stellen konnten. Dies lag insbesondere daran, dass sie im Norden außerordentliche hohe Erfolge feiern konnten, im Süden hingegen war die NSDAP stets im Schatten der katholischen Zentrumspartei. Bei den Reichstagswahlen im März 1933, die bereits nicht mehr als vollständig frei zu bezeichnen sind, votierten im damaligen Amt Friesoythe 32,85 % für die NSDAP, in den Ämtern Cloppenburg und Vechta waren es hingegen sogar nur 28,35 % bzw. 13,3 %. Somit war im Oldenburger Münsterland die Zustimmung für die Nationalsozialisten deutlich unter dem Reichsdurchschnitt von 43,9 %. Dies drückte sich vor allem im Amt Vechta aus. Im gesamten Deutschen Reich gab es nur 14 Städte und Gemeinden bei der die Zustimmung für die NSDAP unter der 10 %-Marke lag. Ganze fünf von ihnen waren dem Amt Vechta zugehörig.

Die Bewohner des Oldenburger Münsterlandes waren somit bereits zu Beginn der oldenburgischen Regierung um den späteren Gauleiter Carl Röver alles andere als aufgeschlossen gegenüber. Der Auslöser des Konfliktes war aber nicht etwa Röver selbst sondern Julius Pauly, der ebenso wie Röver ein überzeugter Nationalsozialist und Anhänger des „Chefideologen“ Alfred Rosenberg war. Bereits als Jugendlicher fiel Pauly mit einer abwertenden Haltung zur Religion auf. Im Jahr 1933 übernahm eben jener Pauly die Leitung des Ministeriums der Kirchen und Schulen mit dem Ziel die Religion komplett aus den Schulen zu beseitigen und im Sinne der nationalsozialistischen Ideologie lehren zu lassen. Dass dies aufgrund der tiefen Religiosität der Südoldenburger nur in kleinen Etappen gelingen könnte, war ihm dabei sehr wohl bewusst. Durch ein geschicktes Auftreten versuchte er das Ziel einer konfessionslosen, nationalsozialistischen Schule zu erreichen. Pauly versetzte nach und nach immer mehr Lehrkräfte aus höheren Schulen des Südens nach Norden und Lehrkräfte aus Norden zunehmend gen Süden. Die Lehrer, die er nach Südoldenburg versetzte, wurden gezielt ausgesucht und hatten den Auftrag sich im ´schwarzen Münsterland´ als Vorkämpfer des Nationalsozialismus zu betätigen. Durch diese Versetzungspolitik wurde ein enormer Druck auf die Lehrkräfte des Oldenburger Münsterlandes ausgeübt, da diese eine Versetzung befürchten mussten, wenn sie sich nicht ausreichend in den NS-Organisationen engagierten. Bei den Volksschulen wurde diese Politik aber deutlich vorsichtiger betrieben, da es Pauly bewusst war, dass eine protestantische Lehrperson von einem rein katholischen Dorf niemals geduldet worden wäre. Der Theologe und Historiker Johannes Göken bezeichnet die Personalpolitik Paulys „als eine Durchlöcherung des konfessionellen Schulwesens von unten her“. Die amtlichen Erlasse Paulys stellten dabei die „Durchlöcherung von oben her“ dar.  In dem ersten Erlass vom 15. Januar 1934 forderte der Minister für Kirchen und Schulen, dass aus jedem Schüler ein begeisterter Nationalsozialist gemacht werden sollte und dass dabei die Fehler der Vergangenheit schonungslos aufgedeckt werden sollten.  Im Juni 1935 folgten dann weitere vier Erlasse von Julius Pauly, in der er nochmals verdeutlichte, dass Lehrer bedingungslos auf dem Boden der nationalsozialistischen Weltanschauung zu stehen haben. Die oberste religiöse Pflicht des deutschen Volkes sei demnach seine Rassenzugehörigkeit. Konfessionelle Schriften durften von nun an nur noch im Religionsunterricht verwendet werden. Zudem rief er in seinem dritten Erlass im Juni 1935 dazu auf, den politischen Katholizismus, die Zentrumspartei, zu bekämpfen. Zudem sei es die Pflicht eines jeden Deutschen Alfred Rosenbergs Thesen anzuerkennen, die insbesondere die Lehrkräfte zu vertreten haben. Religiöser Fanatismus, so urteilt Pauly in seinem vierten Erlass, sei die größte Gefahr für das deutsche Volk und die „Volksgemeinschaft“.

Der Widerstand gegen seine Erlasse fiel im nördlichen Landesteil Oldenburgs erwartet gering aus, im Süden verhielt es sich jedoch anders. Zwar waren auch hier die meisten Lehrpersonen in die NSDAP eingetreten, die Rassenlehre Rosenbergs wurde jedoch nur von den wenigsten vertreten. Es wurde oftmals versucht die Erlasse zu umgehen, ein organisierter Widerstand fand, auch aus Angst vor Amtsenthebungen (obwohl diese aufgrund des Lehrermangels nur schwerlich möglich waren), nicht statt. In einer Versammlung am 27. Juli 1935 in Cloppenburg, auf der sich alle Lehrkräfte der Kreise Vechta und Cloppenburg versammeln mussten, wollte Pauly die Zuhörerschaft in einer zweistündigen Rede abermals von der notwendigen Einheit des Volkes und seiner damit verbunden Politik überzeugen. Dies gelang ihm jedoch nicht. Im Gegenteil er erntete sogar Ablehnung und ihm wurde mehrfach widersprochen. Der Gauschulungsleiter Buscher zog am Ende der Versammlung ein niederschmetterndes Fazit für alle anwesenden Nationalsozialisten. „Diese Versammlung hat bewiesen, daß [sic] der Geist des Nationalsozialismus hier im Münsterlande noch recht wenig Fuß gefaßt [sic] habe, und daß [sic] es noch sehr intensiver und schwerer Arbeit aller nationalsozialistischen Organisationen bedarf, bis der Geist unseres Führers Adolf Hiter sich auch hier siegreich durchgesetzt hat“. Es zeigt sich somit, dass die Gemütslage im Oldenburger Münsterland zumindest schon leicht gereizt war und das schon vor dem eigentlichen Auslöser, dem sogenannten „Kreuzerlass“ vom 4. November 1936.

Zeitgleich empörte sich die Bevölkerung des Oldenburger Münsterlandes über Devisenprozesse gegen katholische Priester. So standen in Oldenburg im Sommer 1935 die drei Dominikaner Thomas Stuhlweißenburg, Laurentius Siemer und Titus Horten vor Gericht, die alle wegen angeblicher schwerer Devisenvergehen der Vechtaer Missionsprokurator angeklagt wurden. Nachdem sich Pater Stuhlweißenburg im Zustand geistiger Verwirrung das Leben nahm, wuchs die Empörung noch mehr. Dieser litt an einer Zuckererkrankung und zeigte sich den Belastungen der Anklage und Haft höchst wahrscheinlich nicht gewachsen. In der Bevölkerung vermochte jedoch keiner daran zu glauben, dass Stuhlweißenburg einen Suizid begangen hat. Siemer und Horten wurden indes zu mehrjährigen Haftstrafen und hohen Geldstrafen verurteilt. Titus Horten verstarb kurz darauf vor einer erneuten Berufungsverhandlung. Zu seiner Beerdigung in Vechta am 30. Januar 1936 sollen bis zu 6.000 Personen teilgenommen haben, die damit ihre Solidarität zu den angeblichen „Devisenverbrechern“ zum Ausdruck bringen wollten. Als Pauly dies aufs massivste kritisierte und die Teilnahme an Hortens Beerdigung als „staatsfeindliche Haltung und Gesinnung“ interpretierte, sank sein Beliebtheitsgrad ins Bodenlose und er wurde zu einem der meistgehassten NS-Repräsentanten im Oldenburger Münsterland. Laurentius Siemer wurde in einer Berufungsverhandlung freigesprochen, da im Gerichtsgebäude rund 100 Unterstützer eine „explosive Stimmung“ verursachten.

Gauleiter Carl Röver
Gauleiter Carl Röver

Verlauf und Ausgang des „Kreuzkampfes“

Im November 1936 spitzte sich dann die ohnehin schon kritische Lage dramatisch zu. Julius Pauly erließ den Kreuzerlass, der alle Kruzifixe aus den Schulen verbannen sollte. Hintergrund für diesen Erlass war, dass Pauly über kurz zuvor stattgefundene Ereignisse in der Gemeinde Bösel empört war. In der kleinen Gemeinde im heutigen Landkreis Cloppenburg sollte eine neue Schule eingeweiht werden. Pauly legte diesen Termin wohl bewusst auf den 25. Oktober, da der Ortspfarrer aufgrund anderweitiger Verpflichtungen an diesem Tag nicht an der Einweihung teilnehmen konnte und er die Schule somit auch nicht kirchlich einsegnen konnte. Die Böseler versammelten sich jedoch einen Tag später erneut vor der neuen Schule, so dass die Schule vom Ortspfarrer eingesegnet werden konnte. Über diesen Umstand soll Pauly so verärgert gewesen sein, dass er sich dazu veranlasst sah, einige Tage später den sogenannten „Kreuzerlass“ zu erlassen.

Gerichtet war dieser Erlass mit dem Vermerk „Eilt!“ an die Schuldirektoren und Schulräte, an die Amtshauptmänner, Oberbürgermeister und Bürgermeister aus dem Landesteil Oldenburg. Mit folgendem Wortlaut begann der „Kreuzerlass“: „Sämtliche öffentlichen Gebäude des Staates, der Gemeinden und Gemeindeverbände gehören dem ganzen deutschen Volk ohne Rücksicht auf das religiöse Glaubensbekenntnis der einzelnen Volksgenossen. Dies gilt auch für alle Volksschulgebäude. Es ist daher nicht zulässig, daß [sic] solche öffentlichen Gebäude kirchlich eingeweiht oder eingesegnet werden“. Im weiteren Verlauf des Erlasses kommt er auf die „konfessionellen Zeichen“ zu sprechen: „Öffentliche Verwaltungsgebäude des Staates sind von altersher [sic] mit konfessionellen Zeichen – z. B. Kruzifix oder Lutherbild – nicht ausgestaltet worden. Für alle öffentlichen Verwaltungsgebäude (…) müssen die gleichen Gesichtspunkte maßgebend sein“. Aus diesem Grunde kommt er zu dem folgenden Beschluss, bei dem er auch explizit die Volksschulen miteinschließt: „Demgemäß ordnen wir an, daß [sic] künftig in Gebäuden des Staates, der Gemeinden und Gemeindeverbände kirchliche und andere religiöse Zeichen oben erwähnten oder ähnlichen Charakters nicht mehr angebracht werden dürfen. Die bereits vorhandenen sind zu entfernen.“

Die Reaktionen auf diesem Erlass fielen zu Beginn jedoch eher verhalten aus. Grund hierfür war insbesondere die Tatsache, dass dieser nicht in der Presse veröffentlicht, sondern nur auf dienstlichem Wege offenbart wurde. Die Kirche erfuhr im Gegensatz zur Allgemeinheit jedoch schon früh von diesem Erlass. Das Bischöflich Münstersche Offizialat in Vechta wurde laut Johannes Göken schon nach wenigen Stunden über die Entwicklungen in Kenntnis gesetzt. Der Offizial Franz Vorwerk selbst gab an vom Erlass erst am 10. November erfahren zu haben. Ungeachtet dieser historischen Unklarheit war es jedoch nicht die katholische Kirche, welche die ersten Bedenken gegenüber Paulys Beschluss laut werden ließ. Aus den eigenen Reihen der NSDAP erfolgten bereits am 6. November die ersten kritischen Wortmeldungen. Amtshauptmann Münzebrock und der NSDAP-Kreisleiter Meyer aus Cloppenburg wiesen auf die Gefahr dieser Handhabungsweise hin und prognostizierten einen „hartnäckigen Widerstand“. Auch in den nächsten Tagen sollten sich viele NSDAP-Mitglieder melden, die das Vorgehen Paulys ebenso scharf kritisierten wie kirchliche Amtsträger.

Kreuzkampf-Mahnmal am Markt in Cloppenburg
Kreuzkampf-Mahnmal am Markt in Cloppenburg

Der Vechtaer Offizial Franz Vorwerk reagierte mit einer Kanzelerklärung, welche an den Geistlichen des Offizialatsbezirks verteilt und von diesen in den Sonntagsgottesdiensten am 15. November verlesen wurden. In dieser wurde zwar nichts über ein mögliches, weiteres Vorgehen gegen die Maßnahme bekannt, der Standpunkt der katholischen Kirche wurde jedoch deutlich gemacht. „Jeder Angriff auf das Kreuz, das Zeichen der Erlösung, ist für uns ganz selbstverständlich ein Angriff auf das Christentum“. Mit dieser Kanzelerklärung wurde auch zugleich der „Kreuzerlass“ erstmals in der Öffentlichkeit bekannt gemacht und Empörung machte sich unter den Südoldenburgern breit. Einen Tag später folgte auch sogleich ein Protestschreiben des Offizialats. Am 17. November traf zudem bereits der erste Protestbrief von einem Bürger aus Lutten im Ministerium in Oldenburg ein. Inhalt diese Briefes des Landwirts August Themann war folgender: „Ich kann es vor Gott nicht verantworten, das [sic] das Kreuz aus der Schule entfernt wird, darum verlange ich als christkatholischer Hausvater, daß [sic] das Kreuz in der Schule bleibt“. In einem weiteren Protestbrief hieß es: „Werter Herr Staatsminister! Als katholischer Bauer und Familienvater von 6 Kindern lege ich starken Protest ein gegen die Entfernung des Kreuzes aus der Schule“. Auf protestantischer Seite erfolgten die ersten Beschwerden seitens der Bekenntnissynode der evangelisch-lutherischen Kirchen Oldenburgs am 18. November.  Am Vortag sprach Gauleiter Carl Röver auf der sogenannten Großkundgebung im Zentralhof in Löningen, in der er seine „christliche Haltung“ betonte. Auf dem Kreuzerlass angesprochen verwies er auf Pauly und erklärte, dass ihm das „nichts angehe“. Durch indirekte KZ-Drohungen an Offizial Vorwerk gerichtet, konnte er jedoch den Eindruck erwecken die Masse hinter sich zu haben. Kaplan Franz Uptmoor aus Sevelten durchbrach als erster die Mauer der Angst und Ungewissheit gegen den Kreuzerlass zu protestieren. Am 18. November, dem Kriegergedächtnistag der katholischen Bevölkerung, verkündete er vor bis zu 8.000 Teilnehmern am Wallfahrtsort Bethen in einer rhetorisch sehr geschickten Rede, dass „bis zum letzten und äussersten [sic] für das Zeichen des Christentums, das Kreuz“[11], gekämpft wird.  Uptmoors Predigt sollte endgültig die „Volkserhebung“ gegen Minister Julius Pauly und seinen Erlass anstoßen. Der Protest wurde zunehmend organisierter, wobei der Klerus federführend agierte. Es bildeten sich Arbeitsgemeinschaften von Priestern, die weitere Predigtvorlagen vorbereiteten, in der neben dem Kreuzerlass auch viele weitere „feindselige Maßnahmen“ gegenüber der katholischen Kirche aufgezählt wurden. Vor allem in Bethen traten die Geistlichen für den Erhalt des Kreuzes ein. Zahlreiche Pilger wurden dabei Zuhörer ihrer Reden. Zudem wurden erste Maßnahmen getroffen. Um 20:00 Uhr jeden Abends wurden von nun an im Oldenburger Münsterland die Trauerglocken geläutet. Weiterhin empfahl das Offizialat den Gläubigen in ihren Häusern vor den Kreuzen niederzuknien und zu beten. Aber auch außerkirchlich organisierten sich Arbeitskreise, die sich im regen Austausch mit den katholischen Würdenträgern befanden. Der Aufstand war so groß, dass sich sogar die meisten Bürgermeister weigerten die Maßnahme durchzuführen, da sie befürchteten den Aufruhr nicht bändigen zu können. Zudem berichteten die beiden Amtshauptmänner der Ämter Cloppenburg und Vechta davon, dass einige Parteiorganisationen kurz vor der Auflösung standen und z.B. die Mitglieder der HJ nicht mehr zu den Appellen erscheinen würden. In den Gemeinden Holdorf, Mühlen und Dinklage seien außerdem große leuchtende Kreuze auf den Kirchtürmen angebracht worden. Johannes Göken berichtet zudem davon, dass das Kruzifix zu dem Symbol im Oldenburger Münsterland wurde.  Frauen und Mädchen trugen es an der Halskette, Hof- und Wegekreuze wurden zusätzlich geschmückt.

Der Kompromissvorschlag Paulys die Kruzifixe ausschließlich im Religionsunterricht verwenden zu dürfen, fand indes wenig Beachtung. Vermehrt trafen nun auch einzelne Abordnungen aus den jeweiligen Orten vor dem Ministerium in Oldenburg auf, auch wenn dies, aus Angst vor Repressionen, erst sehr zögernd voranschritt. Unterdessen wandten sich vermehrt auch Parteigenossen direkt an die Gauleitung, welche schließlich eine Versammlung in der Münsterlandhalle in Cloppenburg einberief.

Einladung zur NS-Großkundgebung am 25. November 1936
Einladung zur NS-Großkundgebung am 25. November 1936

Etwa 7000 Teilnehmer erfuhren in der völlig überfüllten Münsterlandhalle am 25. November vom Gauleiter Carl Röver, dass der Erlass zurückgenommen werden würde, da Julius Pauly der Bedeutung des Kreuzes für die Südoldenburger nicht bewusst war. Eine erstaunliche Anzahl von Personen angesichts der Tatsache, dass Röver erst einen Tag vorher zu der Großveranstaltung aufrief. Von einem Vertrauensbekenntnis der Münsterländer zu Röver, wie die Oldenburgische Volkszeitung und Münsterländische Tageszeitung tags darauf berichteten, konnte jedoch nicht die Rede sein. Mehrfach wurde seine vorbereitete Rede durch Zwischenrufe unterbrochen. Nicht mal die Präsenz einer SA-Abordnung aus Leer konnte die Versammlung vollständig beruhigen. Erst durch das Hervorziehen eines Zettels änderte sich die Stimmung schlagartig. Als Röver ihn vorlas, brach tosender Jubel aus und die Menschen strömten nach draußen. Der Kreuzerlass wurde zurückgenommen und sie sahen nicht die Notwendigkeit, dem Gauleiter weiter zuzuhören. Augenzeugen berichteten zudem, dass vereinzelte Bauern bewaffnet und bis zum Äußersten bereit waren. Ein bewaffneter Widerstand erscheint für die heutige Forschung aber als unrealistisch. Auch die Behauptung, dass Röver mehrere Erlasse vorbereitet hatte, um auf den Verlauf der Versammlung reagieren zu können, ist eher abwegig. Demnach habe er ursprünglich den Erlass beibehalten wollen und sich dann von der Versammlung dazu bewogen lassen, ihn zurückzunehmen. Diese Auffassung ist höchst wahrscheinlich dem Eindruck der unruhigen Münsterlandhalle geschuldet. Vielmehr sei die Massenveranstaltung von vornherein dafür gedacht worden, die Aufhebung des „Kreuzerlasses“ zu verkünden. Gauleiter Röver habe sich dafür eine solch große Bühne gewünscht, da er den Teilnehmern zeigen wollte, dass er sich nicht von den Südoldenburgern unterkriegen lassen wollte. Zugleich habe er durch die Aufhebung des Erlasses in besondere Art und Weise versucht, sich bei der Cloppenburger Zuhörerschaft zu profilieren, dies sei jedoch vollends gescheitert.

„Ist Widerstand das richtige Wort?“

„Widerstand ist nicht das richtige Wort“. So urteilte der Bamberger Kirchenhistoriker Georg Denzler über die Rolle der katholischen Kirche im gesamten Deutschen Reich. Als „teilweise abweichendes Verhalten“ bezeichnet er das Vorgehen der katholischen Kirche zu Zeiten des Nationalsozialismus. Der totalitäre Herrschaftsanspruch der Nationalsozialisten konnte zwar begrenzt, aber keinesfalls vollständig verdrängt werden. Zudem fehle in den meisten Papst- und Bischofsbriefen, welche sich gegen die kirchenfeindlichen und zum Teil menschenfeindlichen Maßnahmen wendeten, die ausdrückliche, politische Kritik. Gegenüber NS-Regierungsorganisationen sei nur wenig Kritik ausgeübt worden. Insbesondere das fehlende Eintreten der katholischen Kirche gegenüber dem Holocaust verbietet es sich für Denzler, von einem Widerstand der katholischen Kirche reden zu können. Der Historiker Michael Kißener pflichtet ihm bei, dass das Wort Widerstand keineswegs der Richtigkeit entspräche, betont dabei jedoch, dass er damit die katholische Kirche als Ganzes und nicht einzelne kirchliche Widerstandskämpfer beurteilt. Inwieweit deren Handeln als Widerstand bezeichnet werden kann, ist wiederum anhand der jeweiligen Biografien zu beurteilen, wenn man denn bei Einzelpersonen und deren Handeln überhaupt von einem Widerstand sprechen kann.

Anlehnend an die Monografie Denzlers ist daher ganz bewusst die oben genannte Fragestellung gewählt worden. Inwieweit treffen seine Beurteilungen auch auf das Oldenburger Münsterland zu? Der Theologe und Historiker Johannes Göken beurteilte den Kreuzkampf als „einzige Volkserhebung in Deutschland während der Nazizeit“, wodurch seine Position schon sehr schnell deutlich wird. Maria Anna Zumholz und Joachim Kuropka widersprechen energisch dem Vorwurf von Historikern wie etwa von Beatrix Herlemann, dass es sich beim Kreuzkampf, um einen reinen katholischen Egoismus gehandelt habe, welcher nur zum Zweck hatte, das eigene katholische Milieu zu verteidigen. Zumholz und Kuropka weisen explizit daraufhin, dass sich im Oldenburger Münsterland auch für Sinti und Roma, Juden oder Zwangsarbeiter eingesetzt wurde. So haben in Vechta in der sogenannten „Reichskristallnacht“ viele Bewohner und selbst ein SA-Sturmführer gegen die antijüdischen Maßnahmen protestiert. Der Vorwurf, dass die Bewohner Südoldenburgs nichts für die anderen Mitmenschen unternommen haben, sei somit falsch. Weiterhin sei auch der Anteil der jüdischen Bevölkerung eher marginal im Oldenburger Münsterland gewesen, so dass das Vorgehen der Nationalsozialisten gegenüber den Juden bei weitem nicht so offensichtlich wurde, wie in anderen Teilen Deutschlands. Nichtsdestotrotz bleibt zu konstatieren, dass zwar z.B. vereinzelte Proteste gegen die Behandlung der Juden aufkamen, eine Erhebung des gesamten Volkes fand jedoch zu keinem Zeitpunkt statt. Auch die katholische Kirche verschwieg zu größten Teilen Ereignisse solcher Art, obwohl sie stets betonte, dass die Menschenrechte für alle Menschen geltend gemacht werden sollten. Der „Kreuzkampf“ als solches entzündete sich aufgrund der einen Tatsache, dass das „Kruzifix“ aus allen Schulen entfernt werden sollte, von einer Bewegung gegen das gesamt Regime kann somit nicht die Rede sein, auch wenn viele Südoldenburger mit dem NS-Regime unzufrieden waren. Motiviert vom Ausgang des „Kreuzkampfes“ fanden auch im Anschluss weitere kleinere Protestaktionen statt, diese sollten sich jedoch in den nächsten Jahren beruhigen. Bewaffneter Widerstand erfolgte zu keinem Zeitpunkt, auch wenn einige ihre Bereitschaft zur Gewaltausübung beim „Kreuzkampf“ öffentlich machten. Aber auch diese Proteste richteten sich hauptsächlich nur auf religiöse Aspekte und nicht auf das gesamte totalitäre System. Der Begriff Widerstand trifft somit nur bedingt auf die Ereignisse im November 1936 zu, einen dauerhaften Widerstand hat es erst recht nicht gegeben.

Doch wie lässt sich das alles im Kontext der propagierten „NS-Volksgemeinschaft“ einordnen? Die Südoldenburger waren dieser Verheißung nie im Ganzen verfallen. Die NS-Funktionäre argumentierten im „Kreuzkampf“ stets, dass der Kreuzerlass für die „Einheit des deutschen Volkes“ von besonders hoher Bedeutung sei. Sie vertraten die Ansicht, dass die „Rassenzugehörigkeit die oberste religiöse Pflicht“ eines jeden Deutschen sei. Die Bewohner des Oldenburger Münsterlandes entsagten sich jedoch der „Volksgemeinschaft“, da ihnen ihr katholischer Glaube wesentlich wichtiger war. Dieser bildete die Grundlage des nahezu kompletten Lebens und verband die Menschen aus dieser Region wesentlich umfangreicher, als es jede Ideologie propagierte. Dabei ist vor allem ein fundamentaler Unterschied zur NS-„Volksgemeinschaft“ festzustellen. In der nationalsozialistischen Auffassung soll sich der Einzelne komplett der Gemeinschaft unterordnen. Frei nach dem Motto „Du bist Nichts, dein Volk ist alles“. In der katholischen Kirche hingegen ist ein jeder das Ebenbild Gottes und mit natürlichen Rechten ausgestattet. Allerdings könnte beim „Kreuzkampf“ auch eingeräumt werden, dass sich auch gerade viele NSDAP-Mitglieder gegen den „Kreuzerlass“ aussprachen, sodass eventuell doch von einer kleineren religiösen, politisch begrenzt ausweitenden Auseinandersetzung innerhalb der propagierten „Volksgemeinschaft“ gesprochen werden kann. Die Tatsache, dass viele Südoldenburger z.B. den „Deutschen Gruß verweigerten, widerlegt dies jedoch eindeutig, so dass es offensichtlich ist, dass es eine „Volksgemeinschaft“ im Sinne der Nationalsozialisten im Oldenburger Münsterland nie gegeben hat.

Inschrift am Cloppenburger Kreuzkampf-Mahnmal
Inschrift am Cloppenburger Kreuzkampf-Mahnmal

Fazit

Schlussendlich lässt sich festhalten, dass der „Kreuzkampf“ mitunter Züge eines Widerstandes zeigte, da der Konflikt sich von religiöser Ebene auch auf die politische Ebene ausbreitete. Ihm fehlten jedoch die Langfristigkeit und die Ausweitung auf andere Themen außerhalb der Religion, so dass der Begriff der „Volkserhebung“ zutreffender für die Ereignisse im November 1936 erscheint, als der Begriff des „Widerstandes“.  Für die gesamte NS-Zeit ist der Begriff „Widerstand“ sogar völlig fehl am Platz. Von einer NS-„Volksgemeinschaft“ im Oldenburger Münsterland kann jedoch auch in keinerlei Art und Weise gesprochen werden. Der „Kreuzkampf“ belegt dies eindrucksvoll. Die Südoldenburger identifizierten sich nicht mit der Rassenlehre Rosenbergs und bekannten sich beim Eintreten für den Erhalt des Kreuzes klar gegen die propagierte „Volksgemeinschaft“. Der katholische Glauben war für sie vielmehr die Tatsache, die fast alle Südoldenburger verband. Es herrschte eine ganz andere Gemeinschaft, als sie von den nationalsozialistischen Machthabern gewünscht war. Der „Kreuzkampf“ ist weiterhin ein sehr identifikationsstiftendes Ereignis für die Südoldenburger, jedoch muss dabei berücksichtigt werden, dass dieser oftmals aus dem lokalen Pathos heraus, sehr stark glorifiziert wird. So wird auch heute gerne noch missachtet, dass der Nationalsozialismus und das menschenverachtende System sich auch im Oldenburger Münsterland ausbreiten und ebenso lange wie im gesamten Deutschen Reich bestehen konnten. Eine Besonderheit stellt diese Art der „Volkserhebung“ in der NS-Zeit jedoch dar, so dass es nicht verwundert, dass der Kreuzkampf noch heute oftmals thematisiert wird und das sogar oftmals über die Grenzen Südoldenburgs hinaus.

Artikel verfasst und zur Verfügung gestellt von: Steffen Oevermann

Empfehlenswerte Literatur zu dem Thema:*
Carina Malcherek: Das Widerstandspotential im Südoldenburger Kreuzkampf 1936


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